Schauspiel
Eine deutsch-georgische Recherche
von Nino Haratischwili
Inszenierung: Nino Haratischwili
Bühnenbild: Julia Bührle-Nowikowa
Kostüme: Gunna Meyer
Uraufführung am Samstag, 19. Mai 2012 in der Alten Feuerwache
Nach jahrelanger Abstinenz wird im Mai 2012 die Theaterpartnerschaft zwischen Tbilissi und Saarbrücken mit einem ungewöhnlichen Theaterprojekt wiederbelebt. Das Saarländische Staatstheater hat die junge georgische Autorin und Regisseurin Nino Haratischwili eingeladen, für die Alte Feuerwache ein Stück zu schreiben und mit Schauspielern des Staatstheaters wie auch mit georgischen Kollegen in einer gemeinsamen Produktion zu inszenieren. Eine Begegnung auf Augenhöhe, keine Folklore.
»Kokoro« wird als Episodenstück entwickelt. Neun Menschen, deren Leben auf eigentümliche Weise miteinander verknüpft ist, treffen aufeinander, prallen voneinander ab, verlieben und verlieren sich im Strudel der Zeitläufte. So kann es werden, vielleicht aber auch anders, man wird sehen. Das Stück entsteht entlang des binationalen Ensembles; Nino Haratischwili schreibt die Figuren ihren Schauspielern auf den Leib. Umrissartig beschrieben ist das Personal, irrlichternde Gestalten sind es, irgendwie aus dem Rhythmus der Zeit herausgeworfen. Die neun Personene seien vorgestellt: Winnie – gefangen zwischen dem Alter und der Schönheit, verwirrt auch noch oder zumindest so tuend, als wäre sie das / Maja – jung, schwanger und eingehüllt in einem Kokon aus Träumen, etwas schlicht gestrickt könnte man auch hinzufügen, wenn man wollte, nur wenn man wollte ... / Deborah – aktiv, aktiv in jeglichem Sinne, so aktiv, dass das Leben ihr nicht mehr hinterher kommt / Noa – jung geblieben, erfolgreich und sich dessen bewusst, trotzdem noch nie irgendwo angekommen... / Una – als Mann geboren aber als Frau lebend, was nicht alle einsehen wollen, tja ... / Frank Sinatra – kaputt, verloren, trotzdem glücklich, so, wie es halt im Rahmen geht / Robert – der Mann von Marina und schon immer politisch auf der »richtigen» Seite / Marina , politisch auf gar keiner Seite / Leila – etwas hinterher rennend, was nicht existiert und vielleicht auch nie existiert hat, aber trotzdem hoffend, dass es existieren wird.
Nino Haratischwili ist in beiden Kulturen zu Hause und bewegt sich mit ihrer Theaterarbeit als leichtfüßige Grenzgängerin zwischen zwei Welten. Ihre sprachlich überzeugenden Texte verknüpfen auf eindringliche Art und Weise Politisches und Familiär-Privates. Haratischwili ist eine Autorin mit ungewöhnlich stark entwickeltem Gefühl für Spannung und Rhythmus. Ihre Stücke (z.B. »Radio Universe«, UA Kampnagel Hamburg, 2010, »Zorn«, UA Deutsches Theater Göttingen, 2010) haben einen ganz eigenen faszinierenden Klang und entwickeln eine Sogkraft, die sich in modernen Theatertexten selten finden lässt.
Im Herbst 2012 ist eine Gastspielreise nach Tbilissi geplant.
Mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt Saarbrücken