Der Gott des Gemetzels
Schauspiel von Yasmina Reza
Inszenierung: Christoph Diem
Bühnenbild und Kostüme: Florian Barth
französischer Originaltitel: »Le dieu du carnage«, in der deutschen Übersetzung von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
Premiere am Samstag, 31. März 2012 im Staatstheater
Zwei Elternpaare versuchen den Streit ihrer Söhne, der zum Verlust von zwei Zähnen bei dem einen der beiden führte, aus der Welt zu schaffen. Im Sinne der Toleranz formulieren sie gemeinsam einen Schadensbericht für die Versicherung, doch mit dem Streit über Begrifflichkeiten nimmt das Unheil seinen Lauf. Hatte sich zum Beispiel derjenige der Knaben, der mit einem Stock zugeschlagen hat, mit selbigem »bewaffnet« oder war er mit ihm »ausgestattet«? Schnell offenbart sich unter dem Mantel aufgeklärten »Gutmenschentums« die Bestie Mensch in ihrer gesamten Selbstbezogenheit.
Yasmina Rezas Stück, das seit der Uraufführung 2006 am Schauspielhaus Zürich weltweite Triumphe feiert, liefert eine wunderbare Charakterstudie über die Risse im liberalen Weltbild von Vertretern der gutbürgerlichen Mittelschicht. Reza schreibt musikalisch und rhythmisch sehr ausgeklügelt und liefert den Schauspielern damit die Möglichkeit mit ihrer Kunst aus dem Vollen zu schöpfen. »Der Gott des Gemetzels« ist ein aberwitziges, vor allen Dingen aber hoch unterhaltsames Stück.
Mit freundlicher Unterstützung durch den SponsorClub des SST
Besetzung
Véronique Houillé: Saskia Petzold
Michel Houillé: Heiner Take
Annette Reille: Gertrud Kohl
Alain Reille: Boris Pietsch
Pressestimmen
»Eine Punktlandung:
[...] ›Der Gott des Gemetzels‹ besticht durch seine schnittige, schnörkellose Eleganz. Christoph Diem drehte das Stück weg vom gängigen Boulevard, lieferte eine überraschende Verschattung. Melancholisch stimmendes Amüsement, das hat was.
[…] Irgendwann klafft die Spielfläche in bedrohlicher, voller Länge auf, die vier Schauspieler positionieren sich in einer künstlichen statischen Vereinzelung. Trotzdem landen wir im prallen Leben, das ist ihrer Kunst geschuldet.
Saskia Petzold gibt die Dritte-Welt-Retterin, die Véroniques Überheblichkeit in Sachen Gutmenschentum ganz wunderbar mit molliger Warmherzigkeit zukleistert. Ihr Mann Michel [Heiner Take] zeigt weniger den mühsam unterdrückten Choleriker und Macho als einen maßlos gelangweilten Ehemann. Hinter seiner großspurigen Halbstarken-Attitüde versteckt sich ein dauerpubertierender Biedermann ohne intellektuellen Biss. Über den verfügt ohne Zweifel der Karriere-Anwalt Alain. Boris Pietsch gibt ihn rotzig-unwirsch, knochentrocken kommt seine Komik daher, es ist ein Fest. Alains Frau scheint in Adrettheit festgefroren. Eine brillante Gertrud Kohl füllt sie wie eine Vase nach und nach mit Verbitterung auf.«
Cathrin Elss-Seringhaus, Saarbrücker Zeitung
»Diem inszeniert Rezas Stück auf karger, aber cleverer, sich drehender Bühne. Sie erlaubt dem Zuschauer den Blick auf alle am Tisch sitzenden Schauspieler. Und die Vier sind sehenswert! Von ganz leise bis ganz laut sind alle Gemütszustände in dem fast tragischen, stets kurzweiligen und unterhaltsamen Stück zu finden. Ein amüsanter Blick hinter die bürgerlichen Fassaden.«
Michael Schmitt, Saartext





