Die Eroberung von Mexico
Musiktheater von Wolfgang Rihm
in der Reihe 'echtzeit'
zum 60. Geburtstag des Komponisten in der Reihe »echtzeit«
Musikalische Leitung: Thomas Peuschel
Inszenierung: Inga Levant
Bühnenbild: Roni Toren
Kostüme: Petra Korink
Choreografie: Rafal Dziemidok
Choreinstudierung: Jürgen Schulz (Hamburgische Staatsoper)
Premiere am Samstag, 21. April 2012 im Staatstheater
Wolfgang Rihms »Eroberung von Mexico« aus dem Jahr 1992 ist eine der meistgespielten zeitgenössischen Opern unserer Tage. Im Zentrum der musikalischen Aktion steht ein historisches Ereignis: die Begegnung des spanischen Conquistadoren Cortez und des Aztekenfürsten Montezuma. Sie wird zur Allegorie einer Beziehung aus Attraktion, Missverständnissen, Angst und Abhängigkeiten.
Der deutsche Komponist Wolfgang Rihm (*1952) schrieb sein Werk auf einen gleichnamigen Dramenentwurf des französischen Surrealisten Antonin Artaud, dessen Text »Seraphim-Theater« (1937) sowie Gedichte von Octavio Paz. Rihm schafft einzelne Situationen: von den Vorzeichen des Untergangs bis zur Abdankung Montezumas und dem Krieg der Völker. Montezuma nimmt darin einen »weiblichen Klang« aus drei Frauenstimmen ein – Rihm spricht von einer »Stimm-Skulptur« – während Cortez die männliche Sphäre repräsentiert. 47 Instrumentalisten spielen in mehreren Gruppen im Raum verteilt. »Die Eroberung von Mexico« ist ein faszinierendes Klang-Raum-Theater in immer wieder neuen Konstellationen.
Besetzung
Cortez: James Bobby
Montezuma: Birgit Beckherrn
Sopran: Nili Riemer
Alt: Judith Braun
Der schreiende Mann: Boris Pietsch
Zwei Sprecher: Miki Stojanov und Markus Jaursch
Statisterie des Saarländischen Staatstheaters
Chor der Hamburgischen Staatsoper (vom Band)
Pressestimmen
»Und es ist schon eine pfiffige Idee von Inga Levant, an einem solchen Referenzwerk des zeitgenössischen Musiktheaters den Kampf der Avantgarde gegen die Konvention zu simulieren. Das Ergebnis ist ein ebenso vitaler wie witziger, ja parodistischer Theaterabend. [...] Da ist Birgit Beckherrn eine Montezuma-Mannfrau mit schönem dunkelmetallischem Timbre und wunderbar atmender Phrasierung, deren Melismen von der Stratosphären-Sopranistin Nili Riemer und der satt timbrierten Altistin Judith Braun in eine wunderbare Klanggloriole gefasst werden. Und James Bobby gibt dem Cortéz einen markig timbrierten, agilen Bariton.«
Detlef Brandenburg, Die Deutsche Bühne
Die komplette Kritik lesen Sie hier
»Geht doch noch! Anspruchsvoll und ansprechend finden zusammen. […] Auf der Empore eine Orgel, die die Kunstfigur Artaud zertrümmern wird, gespielt von Boris Pietsch. [...] Seine unaufdringliche, elegante Stimme verstärkt auf sublime Weise die Botschaften. […] Die phantasievollen, oft dadaistischen Kostüme entstammen der Werkstatt von Petra Korink. Absolut sehenswert!
Das umjubelte Orchester dringt unter Leitung von Thomas Peuschel in die Tiefen der Komposition. […] Grandios besetzt die beiden Hauptrollen. Birgit Beckherrn als Montezuma stimmmächtig, expressiv, [...] der in Maria gleich die Fruchtbarkeitsgöttin erkennt. Männlich, weiblich. Zum Leidwesen Cortes’, der Schänder des Glaubens und der Mexikaner, von James Bobby ergreifend und verstörend schön gesungen und gespielt.«
Frank Herkommer, Opernnetz
Die komplette Kritik lesen Sie hier
»Als Zuschauer ist man gefesselt. Einerseits vom kontinuierlichen Geschehen auf der Bühne, andererseits vor allem von der Musik, die an diesem Abend erstklassig dargeboten wurde. […] Der junge Dirigent Thomas Peuschel […] dirigierte die im Theatersaal verteilten Mitglieder des Orchesters des Staatstheaters absolut akkurat. […] So wurden auch extreme Klänge und Rhythmen souverän gemeistert. Orchester, Dirigent und Werk waren sozusagen eins und verdienen Lob umso mehr, da sie als aktiver Teil des Bühnengeschehens unter teilweise außergewöhnlichen technischen Bedingungen zu spielen hatten. […] Birgit Beckherrns dramatischer Sopran verfügt über enormen Glanz und eine angenehme Klarheit. […] Ihr Gegenpart Cortez, interpretiert von James Bobby, kam auch stimmlich als Kraftprotz daher. Mit enormem körperlichen Einsatz bis zu energischen Ausbrüchen, stellt er die wütende Gewalt des ›männlichen‹ Eroberers dar. […] Bobbys stimmliche Präsenz und Kraft beeindruckten nachhaltig. Zwei Extreme ergänzen Montezumas Persönlichkeit: Der sehr hohe Sopran, fabelhaft besetzt mit Nili Riemer, die mit ihrer außergewöhnlichen Stimme mühelos und glänzend die astronomischen Höhen ihrer Partie meisterte. Neben Riemers solider Leistung behauptete sich der Alt, gesungen von einer wie immer starken Judith Braun.«
Silvia Bier, klassik.com
Die komplette Kritik lesen Sie hier
»Es schleichen jetzt ein Mann mit schwarzen Flügeln und eine Frau in Federschmuck herum und singen sich an. Es handelt sich um Montezuma (von der Sopranistin Birgit Beckherrn mit viel Kraft und Schönheit interpretiert) und Cortez (der hinreißende Bariton James Bobby). […] Der wirkliche Glanzpunkt dieser Premiere war das von Thomas Peuschel gut präparierte Orchester.«
Jörn Florian Fuchs, Deutschlandradio Kultur
»Schließlich neigt er [Wolfgang Rihm] sein Löwenhaupt auch noch zum Handkuss für die in der Tat fabelhafte Birgit Beckherrn. Was für eine dramatisch ausdrucksstarke Stimme! […] Beckherrn und der ebenfalls grandios singende Bariton James Bobby gehen zunehmend in ihren Rollen als Montezuma und Cortez auf. […] Dass Dirigent Thomas Peuschel in all diesem Trubel mit seinem Orchester […] so präzise den Überblick behält, ist bravourös. Und, dass sich aus den perkussiven Strukturen, der flächigen Chromatik, auch dem Gekeuche, Gestöhne und Aufschreien (souverän sängerisch wie darstellerisch die beiden Solisten Nili Riemer und Judith Braun und überzeugend auch die beiden Sprecher Miki Stojanov und Markus Jaursch) immer wieder neue Klangfarben entwickeln, ist ein Meisterstück.«
Oliver Schwambach, Saarbrücker Zeitung
»Ein präzises Orchester unter der Leitung von Thomas Peuschel. Konzentrierte Sänger – allen voran Nili Riemer, die mit ihrem glockenhellen, glasschneidenden und trotzdem warmen Sopran wahre Klangschrauben in die Lüfte malt, die dann wie Seifenblasen zerplatzen. Große Klasse!«
Barbara Grech, SR 2 KulturRadio






