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Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, 4 kB
Sparte 4
Susanne Geb
Susanne Geb
Elizabeth Wiles
Elizabeth Wiles
Susanne Geb, Patrick Simper, Judith Braun, Steve Wächter; Fotos: Thomas M. Jauk (stage picture GmbH)
Susanne Geb, Patrick Simper, Judith Braun, Steve Wächter; Fotos: Thomas M. Jauk (stage picture GmbH)

Agrippina

Heitere Oper von Georg Friedrich Händel

Heitere Oper in drei Akten
Text von Vincenzo Grimani
Musik von Georg Friedrich Händel

Musikalische Leitung: Konrad Junghänel
Inszenierung: Peter Lund
Bühnenbild und Kostüme: Claudia Doderer

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: Sonntag, 24. Februar 2008 im Staatstheater

Dates dim. 24.02. ven. 29.02. dim. 02.03. ven. 07.03. mar. 11.03. dim. 16.03. jeu. 20.03. sam. 05.04. mar. 08.04. dim. 13.04. mer. 14.05. dim. 18.05. sam. 24.05. jeu. 29.05.

Agrippina, die Gattin des römischen Kaisers Claudius, hat nur ein Ziel: Sie will Nero, ihren Sohn aus erster Ehe, auf den Thron bringen. Im Wege steht ihr vor allem der General Ottone, dem Claudius aus Dank für die Rettung aus Todesgefahr den Thron versprochen hat. Agrippina spinnt daraufhin eine Intrige, in die sich die drei genannten Männer – getrieben von ihrem erotischen Verlangen nach der schönen Poppea – immer mehr verstricken. Zwar gerät das Ränkespiel irgendwann außer Kontrolle, aber am Ende hat Agrippina ihr Ziel erreicht: Nero verzichtet auf die Liebe und besteigt den Thron, Ottone verzichtet auf die kaiserliche Macht und heiratet Poppea.

Es singen: Hiroshi Matsui (Claudio), Stefanie Krahnenfeld/Susanne Geb (Agrippina), Judith Braun (Nerone), Elizabeth Wiles (Poppea), David Cordier (Ottone), Markus Jaursch/Patrick Simper (Pallante), Steve Wächter (Narciso), Guido Baehr (Lesbo) 

Konrad Junghänel ist als Lautenist, Leiter des Ensembles «Cantus Cölln» und Dirigent von szenischen Projekten mit Barockmusik weltweit gefragt. In der vergangenen Spielzeit übernahm er am SST die musikalische Leitung der «Florentiner Intermedien».
Peter Lund
arbeitet seit 1987 als Regisseur, leitete von 1996 bis 2004 die Neuköllner Oper und hat so erfolgreiche Stücke wie «No Sex» oder «Hexe Hillary geht in die Oper» geschrieben.
Claudia Doderer
studierte an der Berliner HdK Bühnenbild bei Achim Freyer und stattete Produktionen u.a. am Opernhaus Chemnitz, bei den Schwetzinger Festspielen sowie an der Oper Frankfurt aus.

Pressestimmen

Königliches Vergnügen
Wie man einen düsteren Plot voller Intrigen, Kabale und Ranküne anreichert zu einer hinreißenden komödiantischen Schau in das Innenleben der Royals, eine Barockoper zu einer unglaublich spannenden Angelegenheit macht, bei der keine Sekunde Langeweile aufkommt und dem Hörer sich der Variantenreichtum barocker Musik spielerisch erschließt, das zeigt Peter Lund mit seiner umjubelten Agrippina-Inszenierung am Saarländischen Staatstheater. Verliebt ins Detail, mit konzentrierter Personenführung, überbordender Fantasie und Kreativität zündet der Berliner ein strahlendes Händelsches Feuerwerk. Es gelingt ihm, bei allen Mitwirkenden eine überschäumende Spielfreude zu entfesseln, die jeden Zuschauer unwiderstehlich in den Bann schlägt. (...)
Alle Kostüme eine Augenweide und ein Denkanstoß, etwa, wenn Poppea mit nur einer angedeuteten Schleppenhälfte ausgestattet wird. Claudia Doderer (Bühne und Kostüme) zeigt sich als würdige Schülerin Achim Freyers. Alles hoch durchdacht, durchkonzipiert (...)
Konrad Junghänel bietet dem Premierenpublikum eine Händel-Interpretation vom Feinsten, führt dabei das Saarländische Staatsorchester zu einer beeindruckenden, farbigen und seelenvollen Illustrierung unterschiedlichster Gemütslagen.
Hiroshi Matsui in der Rolle des altersrolligen Claudio mit seinem mächtigen, intonationsgenauen Bass ebenso beeindruckend wie Susanne Geb als stimmlich variantenreiche, in den lyrischen Passagen besonders ergreifende Belcanto-Agrippina. Zwei Countertenöre, die absolut überzeugen: David Cordier als Ottone im Muskelshirt, mit wunderschöner Klangfärbung und Steve Wächter, als geckenhafter Narciso, der spielerisch leicht die unglaublichen Höhen intoniert. Judith Braun gibt dem Nerone mit ihrer anmutigen, samtweichen, unverwechselbaren Stimme Glanz. Elizabeth Wiles als hoch erotische Poppea so stimmschön, so emotional differenziert gefärbt, Zorn und Trauer, Triumph und List, Erotik und Koketterie, dass man geneigt ist, die Oper in Agrippina und Poppea umzubenennen. Beeindruckend auch die Leistung von Patrick Simper als Pallante, der mit hoher Stimmkultur sich nahtlos einreiht in das ansprechende Niveau des Ensembles. Last not least komplementiert Guido Baehr den Reigen der Protagonisten als urkomischer Lesbo mit ansprechendem kultiviertem Bass.

Das Publikum zeigt sich begeistert. Standing ovations, die selbst im anheimeligen Saarland schon lange nicht mehr selbstverständlich sind."

Frank Herkommer, Opernnetz.de

"Es ist schon merkwürdig: Die Oper "Agrippina" ist jetzt 299 Jahre alt - aber immer noch wirkt sie frischer und moderner als so manches Musical unserer Tage. Das liegt zum einen sicher an dem Dirigenten Konrad Junghänel. Er gehört zu jenen Musikern, die die sogenannte Alte Musik für unsere Epoche neu entdeckt haben, indem sie historische Sing- und Spielweisen rekonstruiert und so den ganzen romantischen Kitsch späterer Jahrhunderte von den alten Werken entfernt haben. (...)

[Peter Lund] verlegt die Handlung um rund 1600 Jahre nach hinten in die Entstehungszeit der Oper, als man bei Hofe seine wahren Gedanken unter gepuderten Perücken verbergen und elegant mit Schnupftüchern wedeln konnte. Jedes öffentlich gesagte Wort, also jeder Satz zu einer anderen Person, war eine Lüge - das wußten alle. Liebe und Macht waren nur ein ironisches, bisweilen zynisches Spiel. Für das Publikum im Saal wurden die wahren Absichten der Figuren durch Beiseite-Sprechen deutlich gemacht.
Das falsche Lächeln und die Faust in der Tasche hat Peter Lund bei jeder Figur virtuos und witzig inszeniert. Die Intrigantin Agrippina etwa stellt Susanne Geb glänzend als damenhafte Furie - oder als furienhafte Dame - dar, ihren Sohn Nerone - Nero - gibt Judith Braun als verzogenes Bürschchen. Wenn er am Ende den Thron besteigt, dann brennt er schon mal - zur Vorfreude auf den nächsten Film - ein Papierschiffchen ab. Und zugleich beginnt, das kann man wohl sagen, die Karriere der jungen Saarbrücker Mezzosopranistin Judith Braun, die sich hervorragend in das Sängerensemble des Staatsttheaters einfügt.

Dass eine junge Frau einen jungen Mann spielt, ist in der Oper nichts Ungewöhnliches. Die wahren Helden aber wurden im Barock von Wesen ohne jedes Geschlecht gegeben: Kastraten sangen die Partien jener Überirdischen, für die keine menschliche Stimme schön genug war. Heute ersetzt eine gewisse Stimmtechnik den operativen Eingriff - aber überirdisch schön bleibt es dennoch, was David Cordier da in der Rolle des Ottone zum besten gibt.

Unterm Strich: eine herrlich frische, musikalisch und szenisch sehr gelungene Wiederbelebung einer Alten Oper, die so alt gar nicht ist."

SvenRech, SR2 KulturRadio