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Fotos: Bettina Stöß und Björn Hickmann
Fotos: Bettina Stöß und Björn Hickmann
Eis und Stahl
Eis und Stahl
Eis und Stahl

Eis und Stahl

Oper in vier Akten

Text von Boris Lawrenjow, Musik von Wladimir Deschewow

Musikalische Leitung: Will Humburg
Inszenierung: Immo Karaman
Choreografie: Fabian Posca
Bühnenbild: Johann Jörg
Kostüme: Nicola Reichert

Deutsche Erstaufführung in der Reihe <echtzeit>
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: Samstag, 27. Oktober 2007 im Staatstheater

Termine: Sa 27.10. Do 01.11. So 11.11. Fr 16.11. Fr 30.11. Di 04.12. Sa 08.12.

Pressestimmen

" (...) Regisseur Immo Karaman und sein choreographischer Mitarbeiter Fabian Posca ließen sich bei ihrer szenisch brillianten Umsetzung unmittelbar von der offenen Form des Stückes und dem motorischen Charakter der Musik anregen. (...) Ihren Rückhalt fand die glänzend getimte, temporeiche Inszenierung in Will Humburg, der das Saarländische Staatsorchester am Dirigentenpult zu Höchstleistungen anspornte. (...) Am Ende überwog die Überzeugung zwar kein großes Stück, aber eine große Aufführung gesehen zu haben."
Uwe Schweikert, Opernwelt

"Maschinenklänge, Schlagzeugorgien und Blechgewitter erhöhen den Pulsschlag. Die Farben im Orchester, das Will Humburg mit nie nachlassender Energie anpeitscht, wirken ebenso entpersönlicht wie der Einzelne im Kollektiv. (...) Obwohl mit der Agitatorin Musja (Anna Toneeva), dem  Militärchef Hertz (Hiroshi Matsui) und dem Rebellen Dymtschenko (Jevgenij Taruntsov) gelegentlich einzelne Köpfe aus der Masse ragen, sind die beiden ersten Akte von "Eis und Stahl" Kollektivtheater im Sinne Wsewolod Meyerholds, was Regisseur Immo Karaman in Saarbrücken ideenreich, ironisch und mit choreografischen Anspielungen auf das "biokinetische" Theater der revolutionären Jahre umsetzt. Überhaupt gelingt Karaman auf bemerkenswerte und höchst theatralische Weise die Gratwanderung zwischen dem grotesk überzeichneten Heroismus und einer bis heute aktuellen Ideologiekritik. (...) So oder so, die Erde wird rot. Und wenn sie dann im Arbeitslicht wieder weiß wird, sieht man, wie Musjas Denkmal eingerissen und die Armeemützen und Uniformen des Sowjetstaates verramscht werden - das bitterböse Schlussfanal einer prächtigen Produktion, die eine Phase des avantgardistischen Theaters in der Sowjetunion wiederbelebt, ohne nostalgische Verlusängste zu bedienen."
Michael Struck-Schloen, Süddeutsche Zeitung

"(...) Besser kann man das Scheitern einer gutgemeinten, aber letztlich verheerenden Utopie wohl kaum darstellen. Auch musikalisch ist dem Theater Saarbrücken ein Glanzstück gelungen, Anna Toneeva als Musja ragt aus dem Ensemble zwar heraus, aber man singt insgesamt auf Spitzenniveau. Am Pult sorgte Will Humburg für Präzision und Power. (....) Spektakulär."
Jörn Florian Fuchs, Wiener Zeitung

"Wir sind überzeugt, dass wir im Laufe der unlängst gestarteten Saison 2007/08 keine weitere Opernvorstellung von dieser Qualität zu sehen und zu hören bekommen werden. (...) Musjas Rolle wurde auf großartige Weise von der Sopranistin Anna Toneeva gespielt und gesungen. Die übrigen elf Hauptpartien waren sämtlich mit Mitgliedern des eigenen Ensembles besetzt. Angesichts der Beschaffenheit des Werkes und der Sprache, in welcher das Werk gegeben wurde, ist dies mehr als ungewöhnlich. Dementsprechend groß ist unsere Bewunderung für das, was das Saarländische Staatstheater uns geboten hat."
Willem Verschooten, Opera Gazet

"Der letzte Ton war noch nicht verklungen, da brüllte schon jemand Bravo, und er hatte recht. Die Inszenierung von "Eis und Stahl" ist grandios. Es wäre ein Leichtes gewesen, das Stück aus heutiger Sicht zu demontieren und bloßzustellen. Immo Karaman aber hat das Stück ernstgenommen, hat es ohne moralischen Zeigefinger und ohne hämische Rechthaberei in Bilder umgesetzt, die das Denken jener Zeit transportieren und verstehbar machen. (...) Mit großer Phantasie und gekonnter Lichtregie hat er immer neue, überraschende, auch witzige Bilder komponiert - und so aus der linientreuen Oper von einst ein spannendes Stück Theater für heute gemacht. Unbedingt ansehen!"
Sven Rech, SR 2 KulturRadio

"Immo Karaman inszeniert in Saarbrücken fast die ganze Oper ungebrochen librettogetreu, es wird sowohl verbal wie physisch heftigst agiert und agitiert. Die Bühne besteht aus einer schrägen Holzplatte, einem beweglichen Stahlgerüst sowie gemalten Prospekten mit leichten Anklängen an die russische Avantgarde oder auch an sozialistischen Volkskitsch. Den erlösenden Clou gibt es erst in den letzten Minuten: nachdem sich Musja in die Luft gesprengt hat, bleibt sie mit erhobenen Armen reglos auf einem Podest stehen. Langsam kommen die "Sieger" herbei - und werden der Reihe nach aus dem Off erschossen. Dazu spielt die Musik, immer leiser werdend, vom Band. Zuletzt holt man dann wenig elegant die zur Statue erstarrte Selbstmordattentäterin vom Sockel. Dadurch bekommt das Stück einen Rahmen, in dem nun alles, was vorher geschah, plausibel wird. Besser kann man das Scheitern einer gutgemeinten, aber letztlich verheerenden Utopie wohl kaum darstellen.
Auch musikalisch ist dem Theater Saarbrücken ein Glanzstück gelungen. Gesungen wird auf Spitzenniveau. Pablo Assante studierte den gewaltigen Chor perfekt ein, am Pult sorgte Will Humburg für Präzision und Power."
Jörn Florian Fuchs, Die Welt

"Eine rundum gelungene Premiere abseits der klassischen Opernlandschaft"
Uli Monzel, Saartext

Die Oper "Eis und Stahl" entstand 1929 in einer der künstlerisch ertragreichsten Perioden des 20. Jahrhunderts an einem ungeheuer produktiven Ort – dem damaligen Leningrad. Das Werk stellt einen der ersten gelungenen Versuche dar, die revolutionären Geschehnisse, die später zum Sturz des zaristischen Russland führten, künstlerisch umzusetzen. Wie in Sergej Eisensteins berühmtem Film «Panzerkreuzer Potemkin» spielt auch in «Eis und Stahl» das Volk eine zentrale Rolle. Wladimir Deschewow versteht es meisterhaft, die für die Oper neuen, industriellen Orte in die Handlung zu integrieren und musikalisch glaubhaft darzustellen.

Indem die Oper die Auseinandersetzung um die zentrale gesellschaftliche Utopie des 20. Jahrhunderts dramatisch vor Augen führt, stellt sie gleichzeitig eindringlich die Frage nach den Utopien unserer Zeit. Im Zentrum der Handlung steht Musya, eine Komsomolzin, die auf dem Schwarzmarkt und im Stahlwerk stets für die Sache des einfachen Arbeiters kämpft. Als es gilt, den aufständischen Matrosen in Kronstadt entgegen zu treten, bietet sie ihre Dienste als Spionin an. Schließlich gelingt es Musya durch ihr Selbstopfer den Sieg zu bringen.

Es singen: Oxana Arkaeva, Crenguta Aukle, Barbara Brücker, Franziska Erdmann, Naira Glountchadze, Elena Kochukuva, Maria Pawlus, Barbara Solga, Anna Toneeva (Musya) - Alto Betz, Johannes Bisenius, Rupprecht Braun, Elmar Böhler, Kwan-Seok Chae, Dae-Seok Choi, Otto Daubner, Algirdas Drevinskas, Antoniy Ganev, Harald Häusle, Jung-Woo Kim, Markus Jaursch, Dong-Hoon Kim, Frank Kleber, Chang-Kyn Lim, Vladimir Makarov, Hiroshi Matsui, Manfred Rammel, Stefan Röttig, Hayato Shimakage, Patrick Simper, Jevgnij Taruntsov, Terence Vanden Berg, Vadim Volkov

Will Humburg wirkte u.a. von 1992 bis 2004 als Generalmusikdirektor in Münster. Erfolgreiche Gastspiele führten ihn an die Mailänder Scala, das Teatro Massimo in Palermo, die Staatsoper Stuttgart sowie die Deutsche Oper Berlin. Am Saarländischen Staatstheater dirigierte er zuletzt «Norma».
Immo Karaman begann seine Karriere am Musiktheater im Revier. Inzwischen inszeniert er an den großen Bühnen Deutschlands. Für seine Arbeit erhielt er 2006 den Kunstpreis Nordrhein-Westfalen.
Johann Jörg studierte in Wien an der Hochschule für Angewandte Kunst und ist seit 1989 freischaffend als Bühnen- und Kostümbildner tätig.
Nicola Reichert arbeitete unter anderem am Schauspielhaus Bochum, an der Oper Frankfurt und an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin
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