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Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, 4 kB
Sparte 4
Notizen aus dem Untergrund

Notizen aus dem Untergrund

Schauspiel von Eric Bogosian

 

Mit: Florian Steiner

Inszenierung: Christoph Diem
Bühne: Christian Zimmermann

 

 

Premiere: Samstag, 4. Oktober 2008

Termine: Do 01.01. Mo 02.06. Sa 04.10. Mi 15.10. Do 16.10. Do 20.11. Sa 22.11. Sa 29.11. Sa 20.12. Sa 27.12. Sa 03.01. Do 08.01. Do 05.02. Mi 11.02. Do 19.02. Fr 17.04. Sa 25.04. Do 14.05.

Eindrucksvolles Ein-Mann-Stück über das einsame Leben in der Großstadt

Bogosian ("talk radio") skizziert den Prototyp des vereinsamten Großstadtsingles: Alleine in der Wohnung mit dem Nachrichtenmoderator und Salzgebäck kreist er um sich und die medial vermittelte Welt. Seine wenigen Besuche in der Realität sind scheinbar geprägt von anarchischem Humor, tatsächlich aber von großer sozialen Dysfunktionalität. Ein Stück über die Abgründe des Alltags, aber auch über eine verzweifelte Liebe zum Leben.

eine Fallgeschichte.

 

das sagt die presse:

(6.10.2008)

Single in Isolationshaft


Alleinsein macht mürbe: Florian Steiner gelingt in der neuen Sparte 4-Produktion das eindringliche Zerrüttungs-Psychogramm eines Großstadt-Singles.


Saarbrücken. Drei Monate verpfuschtes Leben, das sich gemächlich aufspannt, als vertröpfelten Jahrzehnte. Der Held - ein philosophischer Petitessen-Händler - lebt in selbst gewählter Isolationshaft. Rauchen, masturbieren, CBS-Nachrichten gucken, Tagebuch führen. Schließlich setzt er sich als stummer Mitbewohner auf Terrassen fremder Familien. Ein merkwürdiger Vogel, kein Monster. Doch das Happy End erkauft er sich durch den Mord an zwei Kindern. Eine deprimierende Geschichte, voller Lethargie und Langeweile, übersatt an Durchschnitts-Beobachtungen, verfasst von US-Szene-Autor, Performer, Schauspieler und Pulitzer-Preisträger ("Talk Radio") Eric Bogosian.
Der Leiter der Sparte 4, Christoph Diem, hat die "Notizen aus dem Untergrund" für seine Spielstätte in Szene gesetzt. Klug kalkulierend, sparsam mit optischen und musikalischen Mitteln, in riskantem Vertrauen auf einen sprachlich alles andere als raffinierten Text.
Umso mehr erstaunt das Gesamt-Ergebnis. Bogosians Prosa-Text in Tagebuch-Form entwickelt als Bühnen-Monolog hohe theatralische Intensität. Das liegt nicht nur an einem hervorragenden Darsteller: Florian Steiner. Atmosphärisch zentral für das Gelingen erweist sich Christian Zimmermanns Bühnen-Einrichtung. Man sieht Dia-Projektionen einer ortlosen immer menschenlosen Stadt-Wüste: Fenster-Ansichten, Asphalt-Ödnis, Appartement-Interieurs. Hinter Stellwänden, einer Art Verbarrikadierung gegen Realität und Kontakte, agiert ein Single-Held, der sich uns immer nur in gebrochenen Ansichten zeigt.
Er bleibt auch in Bogosians Text ein Verborgener, ein Rätsel, obwohl er seine Psycho-Deformationen, seine vergeblichen Aufbrüche ("Ich muss normal werden!") und verzweifelten Ausbrüche ("Ich will irgendwo dazugehören!") schonungslos ausstellt.
Steiner findet für diese ruinöse Psycho-Höllenfahrt zu einem sensiblen, klaren, natürlichen Ton ohne jede Forcierung. Ihm gelingt das Meisterstück des Maßhaltens. So gelingt Anrührung ohne glanzvolle Überrumpelung.

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus